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Compliance

Geldwäschebekämpfung (AML): So strukturieren Sie ein GWG-Compliance-Programm

6. Oktober 20264 Min. Lesezeit

Warum ein strukturiertes GwG-Compliance-Programm unverzichtbar ist

Das Geldwäschegesetz (GwG) verpflichtet alle betroffenen Unternehmen und Personen, ein risikobasiertes internes Sicherungssystem einzurichten. Dieses System umfasst eine Risikoanalyse, interne Sicherungsmaßnahmen, Sorgfaltspflichten gegenüber Vertragspartnern sowie die Pflicht zur Erstattung von Verdachtsmeldungen an die Financial Intelligence Unit (FIU) (Quelle: Geldwäschegesetz - GwG, aktuelle Fassung). Der Aufsichtsdruck hat zugenommen, seit die Europäische Union mit der 6. Geldwäscherichtlinie, Richtlinie (EU) 2018/1673, die strafrechtliche Harmonisierung vertieft hat. Ein Programm, das nur auf dem Papier existiert, schützt nicht: Aufsichtsbehörden erwarten operative Nachweise. Optivalue.ai begleitet verpflichtete Unternehmen dabei, jeden Programmbestandteil quellenbasiert zu dokumentieren und Lücken sichtbar zu machen. Der vorliegende Artikel erklärt die vier Kernelemente: Risikobewertung, Sorgfaltspflichten, Verdachtsmeldung und Softwareunterstützung.

Wie führt man eine Geldwäscherisikobewertung durch?

Die Risikobewertung ist die methodische Grundlage jedes GwG-Programms. Sie identifiziert die Geschäftsbereiche, Produkte, Transaktionsarten und Kundensegmente, bei denen das Risiko des Einschleusens illegaler Gelder am höchsten ist (Quelle: GwG, Paragraf 5). Die Bewertung berücksichtigt geografische Risikofaktoren, Branchenrisiken und die Kundenstruktur des Unternehmens. Ergebnis ist eine priorisierte Risikolandkarte, die als Grundlage für die Auswahl der Sicherungsmaßnahmen und die Intensität der Sorgfaltspflichten dient. Sie muss dokumentiert, regelmäßig aktualisiert und der Aufsichtsbehörde auf Anfrage vorgelegt werden können. Ein Antikorruptionsprogramm, das das AML-Programm ergänzt, deckt verwandte Integritätsrisiken ab und verhindert blinde Flecken an der Schnittstelle beider Regelwerke.

Welche Sorgfaltspflichten schreibt das Geldwäschegesetz vor?

Das GwG unterscheidet vereinfachte, allgemeine und verstärkte Sorgfaltspflichten (Quelle: GwG, Paragrafen 10 bis 15). Die allgemeinen Sorgfaltspflichten umfassen die Identifizierung des Vertragspartners, die Feststellung des wirtschaftlich Berechtigten, die Abklärung des Geschäftszwecks und die kontinuierliche Überwachung der Geschäftsbeziehung. Verstärkte Sorgfaltspflichten greifen bei erhöhtem Risiko, etwa bei politisch exponierten Personen (PEP) oder Transaktionen mit Hochrisikodrittländern, wie sie von der Europäischen Kommission in der Delegierten Verordnung (EU) 2016/1675 aufgelistet werden. Die Dokumentation jeder Sorgfaltsmaßnahme und ihrer Ergebnisse ist Pflicht. Ein internes Hinweisgebersystem, das im GwG-Programm vorgeschrieben ist, stellt sicher, dass Mitarbeitende Verdachtsfälle intern anonym melden können, bevor die externe Meldung an die FIU erfolgt.

Wie melden Sie einen Verdachtsfall an die FIU?

Das GwG verpflichtet zur unverzüglichen Erstattung einer Verdachtsmeldung an die Financial Intelligence Unit beim Zollkriminalamt, sobald Tatsachen auf Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung hinweisen (Quelle: GwG, Paragraf 43). Die Meldung erfolgt elektronisch über das System goAML der FIU. Ein Transaktionsabbruch oder die Auflösung der Geschäftsbeziehung kann in bestimmten Fällen geboten sein. Das Tipping-off-Verbot untersagt es, den Betroffenen über die Meldung zu informieren. Die Dokumentation des Sachverhalts, der Grundlage der Entscheidung und des Zeitpunkts der Meldung gehört zur Nachweispflicht. Eine nachvollziehbare Dokumentationskette schützt das Unternehmen im Fall einer Prüfung durch die Aufsichtsbehörde.

Wie strukturiert eine AML-Software jede GwG-Pflicht?

Eine AML-Software strukturiert das gesamte interne Sicherungssystem durch geführte Arbeitsabläufe. Die Risikobewertung wird in einer bewerteten Matrix erfasst und versioniert. Die Sorgfaltspflichten werden pro Kundendatensatz dokumentiert: Identifizierungsnachweise, Ergebnis der PEP-Prüfung, Sanktionslistenabgleich und laufende Transaktionsüberwachung. Die Verdachtsmeldungen werden mit Datum, Sachverhaltsdarstellung und FIU-Eingangsbestätigung archiviert. Schulungsnachweise und das Schulungsregister für exponierte Mitarbeitende werden im System gehalten. Jede Änderung ist mit Benutzer, Datum und Begründung protokolliert. Optivalue.ai stellt die Dokumentationsstruktur bereit, die verpflichtete Unternehmen benötigen, um bei einer Prüfung durch die Aufsichtsbehörde jeden Programmbestandteil seitengenau nachzuweisen.


FAQ

Was ist der Unterschied zwischen vereinfachten und verstärkten Sorgfaltspflichten nach dem GwG?

Das GwG unterscheidet drei Stufen (Quelle: GwG, Paragrafen 10 bis 15). Vereinfachte Sorgfaltspflichten gelten bei nachweislich niedrigem Risiko und erlauben eine reduzierte Identifizierungstiefe. Allgemeine Sorgfaltspflichten bilden den Standard. Verstärkte Sorgfaltspflichten greifen bei erhöhtem Risiko, beispielsweise bei PEP-Status des Vertragspartners, Transaktionen mit Hochrisikodrittländern oder komplexen Strukturen ohne erkennbaren wirtschaftlichen Zweck. Die Einstufung muss dokumentiert und nachvollziehbar begründet werden.

Welche Unternehmen sind nach dem GwG verpflichtet?

Das GwG nennt in Paragraf 2 einen abschließenden Katalog verpflichteter Unternehmen und Personen (Quelle: GwG, Paragraf 2). Dazu gehören unter anderem Kreditinstitute, Finanzdienstleister, Versicherungsunternehmen, Rechtsanwälte, Notare, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Immobilienmakler und Händler mit Barzahlungsrisiko. Jede Gruppe hat spezifische Pflichten, die sich nach den typischen Risiken des jeweiligen Bereichs richten.

Was ist die FIU und wie erfolgt die Verdachtsmeldung technisch?

Die Financial Intelligence Unit (FIU) ist beim Zollkriminalamt angesiedelt und nimmt Verdachtsmeldungen entgegen, analysiert sie und leitet sie an die zuständigen Ermittlungsbehörden weiter (Quelle: GwG, Paragraf 27). Die Meldungen werden ausschließlich über das elektronische Meldesystem goAML der FIU eingereicht. Das System verlangt strukturierte Angaben zu Sachverhalt, betroffenen Personen, Transaktionen und dem Grund des Verdachts.

Wie oft muss die interne Risikobewertung nach dem GwG aktualisiert werden?

Das GwG schreibt vor, dass die Risikobewertung bei wesentlichen Änderungen der Geschäftstätigkeit oder des Risikoumfelds sowie in regelmäßigen Abständen aktualisiert werden muss (Quelle: GwG, Paragraf 5, Absatz 2). Eine feste Jahresfrist ist gesetzlich nicht einheitlich vorgegeben. Die Aufsichtspraxis erwartet eine Aktualisierung bei jedem relevanten Anlass und eine Überprüfung des Gesamtprogramms in einem dokumentierten Zyklus.

Was droht bei unzureichendem GwG-Compliance-Programm?

Die Aufsichtsbehörden, darunter die BaFin für Finanzinstitute und die jeweils zuständigen Kammern für Freiberufler, können bei Verstößen gegen das GwG Bußgelder verhängen (Quelle: GwG, Paragraf 56). Darüber hinaus besteht das Risiko strafrechtlicher Konsequenzen sowie erheblicher Reputationsschäden. Die Höhe möglicher Sanktionen richtet sich nach Schwere und Wiederholung des Verstoßes.


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